2016 wurde IPVanish von US-Bundesbehörden zu Nutzerdaten befragt – und lieferte sie. Das Problem: IPVanish hatte jahrelang als "No-Logs"-VPN vermarktet. Dieser eine Fall hat die gesamte Branche verändert. Seitdem muss man als Nutzer wissen, was ein VPN-Anbieter technisch überhaupt speichern kann – und was "No Logs" wirklich heißt.
Zwei Arten von Logs – und warum der Unterschied zählt
Wenn VPN-Anbieter von "Logs" reden, meinen sie meist zwei grundlegend verschiedene Dinge:
Connection Logs (Verbindungsprotokolle)
Metadaten über die Verbindung selbst: Zeitstempel (wann verbunden), verbundene IP-Adresse, Serverstandort, Sitzungsdauer, übertragenes Datenvolumen. Connection Logs sagen nichts darüber aus, was du gemacht hast – nur dass und wann du verbunden warst.
Activity Logs (Nutzungsprotokolle)
Was du tatsächlich getan hast: welche Webseiten aufgerufen wurden, welche Dateien heruntergeladen, welche Suchanfragen gestellt. Activity Logs sind das, was Ermittler wirklich interessiert – und was seriöse VPN-Anbieter definitiv nicht speichern sollten.
| Log-Typ | Was wird gespeichert | Risiko für dich | Seriöser Anbieter? |
|---|---|---|---|
| Activity Logs | Webseiten, Downloads, Suchanfragen | Sehr hoch | Niemals |
| Connection Logs (vollständig) | IP, Zeitstempel, Dauer, Volumen | Mittel | Selten legitim |
| Aggregierte Statistiken | Gesamtlast pro Server (anonym) | Gering | Akzeptabel |
| Keine Logs | Nichts | Keines | Ideal |
Was passiert technisch beim Verbindungsaufbau?
Jedes VPN sieht beim Verbindungsaufbau kurz deine echte IP-Adresse – das ist technisch unvermeidbar. Die Frage ist nur: Wie lange wird diese Information gespeichert?
Ein ehrlicher No-Logs-Anbieter hält diese Information maximal für die Dauer der aktiven Sitzung im RAM – nie auf der Festplatte. Sobald du dich trennst, ist die Information weg. Server, die auf RAM-only-Disks laufen (z.B. ExpressVPN, NordVPN auf einigen Servern), verlieren alle Daten auch bei einem erzwungenen Neustart.
Der IPVanish-Fall – und was er wirklich bedeutet
IPVanish behauptete öffentlich "We keep NO logs of any kind." Als die US-Behörde HSI (Homeland Security) 2016 Nutzerdaten anforderte, stellte sich heraus, dass Connection Logs doch existierten. Das Unternehmen arbeitete mit den Behörden zusammen – und die Daten wurden geliefert.
Ähnliches passierte 2017 mit PureVPN. Beide Fälle eint: Der Firmensitz war in den USA, einem Mitglied der 5-Eyes-Allianz. US-Unternehmen können per NSL (National Security Letter) gezwungen werden, Daten stillschweigend herauszugeben – und dürfen darüber nicht reden.
Wie man echte No-Logs-Anbieter erkennt
Vier Kriterien machen den Unterschied zwischen Marketingversprechen und tatsächlicher Privatsphäre:
1. Unabhängiges Audit
Seriöse Anbieter lassen ihre No-Logs-Behauptung regelmäßig von externen Sicherheitsfirmen prüfen.
ProtonVPN: Cure53. NordVPN: Deloitte (2023). Surfshark: Cure53. PrivadoVPN: keine veröffentlichten Audits bisher.
Ein Audit ist kein Freifahrtschein – aber ein Indiz dafür, dass der Anbieter nichts zu verbergen hat.
2. Gerichtsstand außerhalb der 14-Eyes
Schweiz, Panama, Malaysia – Länder ohne Gegenseitigkeitsabkommen mit US-/EU-Geheimdiensten.
Ein Schweizer VPN kann nicht per US-NSL zur Datenweitergabe gezwungen werden.
3. RAM-only-Server
Wenn alle Daten nur im flüchtigen Speicher liegen, existieren nach einem Neustart keine Logs mehr –
selbst wenn Server physisch beschlagnahmt werden. Das bieten u.a. ExpressVPN und NordVPN auf einem Teil ihrer Server.
4. Open-Source-Clients
Open-Source-Apps können unabhängig auf verstecktes Tracking geprüft werden.
ProtonVPN veröffentlicht seinen gesamten Client-Code auf GitHub.
Das schützt zwar nicht vor serverseitigem Logging – macht aber clientseitige Spionage unmöglich.
Was "No-Logs" nicht schützt
Auch ein perfektes No-Logs-VPN schützt dich nicht vor:
- Fingerprinting: Webseiten erkennen dich über Browser-Fingerprint (Bildschirmauflösung, Fonts, Canvas) unabhängig von der IP
- Anmeldedaten: Wenn du bei Google eingeloggt surfst, weiß Google wo du bist – VPN hin oder her
- Malware auf deinem Gerät: Ein VPN verschlüsselt nur die Verbindung, nicht das Endgerät
- DNS-Leaks: Wenn DNS-Anfragen nicht durch den VPN-Tunnel laufen, sieht dein ISP weiterhin deine Suchanfragen